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Seit meiner Geburt blieb ich meiner Geburtsstadt Wiesbaden treu. Ich bin
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verliebt in die Taunusberge
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verlobt mit dem Nerotherbund und
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glücklich verheiratet seit 53 Jahren. Dass ich diesen Lebenslauf schreiben kann, verdanke ich meiner Frau, die mich trotz Bomben und Tieffliegerbeschuss 1944 als Schwerverwundeten vor russischer Kriegsgefangenschaft und womöglich noch Schlimmeren gerettet hat.
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Wandern und Singen, Abkochen und Übernachten im Zelt lernte ich in den Jahren 1930-33 in einer Jugendgruppe der evangelischen Kirchengemeinde. Die beiden Führer gehörten dem Bund Scharnhorst an.
1933 von einem Jungvolk-Führer für seinen Jungzug gekeilt, begannen - so grotesk sich das anhört - meine "bündischen Umtriebe" (Jargon der HJ und Gestapo). Der Jungzugführer gehörte dem Bund der Geusen an, der Fähnleinführer kam aus der d.j.1.11 und andere Fhrer waren ehemalige Nerother. Offiziell wurde noch eine zeitlang im Jungvolk Dienst getan: Exerzieren, Aufmärsche mit wehenden Fahnen und Wimpeln, es wurden aber auch zünftige Fahrten gemacht. Prallel dazu entstand ein Freundeskreis mit überwiegend ehemaligen Nerothern und solchen, die nicht zum Jungvolk gegangen waren. Äußerliches Merkmal waren ein besonderer Erkennungspfiff ("Nach Süden nun sich lenken...") sowie kariertes Hemd. Wer es sich leisten konnte, ließ sich kurze, blaue Piratenhose von einem der Väter (Schneidermeister) nähen und beschaffte sich Bundschuhe sowie weiße Zopfmuster-Kniestrümpfe. Auf Fahrt ging es mit dem Affen (Tornister), das Koppel hatte das "Gott-mit-uns-Schloss" aus dem 1. Weltkrieg. Rucksack war verpönt. Untereinander wurden Nerother-Herolde und andere Jugendbundschriften, z.B. "Der Eisbrecher" und die "Kiefer" usw. ausgetauscht. Über einen befreundeten Buchhändler bezogen wir die Liederbücher des Günther-Wolff-Verlages.
Eines Tages wurden die auf freiwilliger Basis entstandenen HJ-Einheiten aufgelöst und eine regionale Einteilung vorgenommen. Das war der Zeitpunkt, dass wir nach und nach dem Jungvolk "Aufnimmerwiedersehen" sagten. Meine Freunde und ich traten zur Tarnung dem Reichsklonialbund bei.
So oft wir konnten, trafen wir uns in kleinen Gruppen (3-5 Mann), manchmal auch mit anderen illegalen Wiesbadener Nerothergruppen, in den elterlichen Wohnungen zum Erzählen, Pläneschmieden und Singen, außerdem auf häufigen Wochenendfahrten. In der warmen Jahreszeit verlegten wir unser Gruppenleben aufs Wasser. Wir beschafften uns Paddelboote und fuhren zum Zelten Rheinauen mit ihren urwaldähnlichen Baumbeständen an.
Ferien und Urlaub wurden genutzt zu Trampfahrten im In- und Ausland. Durch einen Verbindungsmann gab es Reisepass und Passverlängerung ohne Unbedenklichkeitsbescheinigung der HJ.
Trotz Vorsicht (was man schon bei unserem jugendlichen Ungestüm Vorsicht nennen kann) blieb es nicht aus, dass wir vom Streifendienst erwischt wurden. So rauschten wir einem von der Übernachtung auf einer Burgruine hinunter auf die Landstraße im Lahntal und landaten dicht vor dem Cabriolet einer HJ/Gestapo-Streife. Kurzes Verhör, Aufname der Personalien und Beschlagnahme der Fahrtenmesser. Gegen die beabsichtigte Konfiszierung eminer Klampfe wehrten wir uns lautstark, so dass eine Schar Kirchgänger aufmerksam wurde und Partei für uns ergriff. Der HJ-Führer riss noch die blauroten Quaten von der Gitarre ab, dann fuhren sie davon. "Die Fahrtenmesser könnt ihr euch bei der Gebietsführung in Wiesbaden wieder holen". Selbstverständlich verzichteten wir darauf, wussten wir doch, dass andere vor uns dort Schläge ernteten. Aber es kam dann, was zwangsläufig kommen musste:
1937 gab es bei den Älteren von uns schlagartig Hausdurchsungen und Beschlagnahmungen von bündischer Literatur und sonstigen Utensilien. Einige, die als unsere Anführer galten, wurden in Untersuchungshaft genommen.
Im Oktober 1937 kam es zum Prozess vor dem Sondergericht Ffm. In Wiesbaden gegen 17 Ältere von uns wegen bündischer Umtriebe. Es war ein Wunder, dass das Strafmaß gnädig ausfiel. Die verhängten Freihheitsstrafen waren durch die U-Haft abgegolten. Unsere Anwälte hatten sogar den Mut, im Plädoyer zu sagen, dass die HJ sich glücklich schätzen könnte, wenn sie solch ungewöhnlich unternehmungslustige junge Menschen als Führungskräfte gewinnen könnte.
Wo nahmen wir danach den Mut und die Unbekümmertheit her, weiterzumachen, als wenn nichts passiert wäre? 1938 gingen wir zu dritt wieder auf Auslandsfahrt: Ungarn, Jugoslawien mit einer Woche zelten bei Dubrovnik. Über Italien und Schweiz zurück. In Jugoslawien mit der Eisenbahn, alle übrigen Strecken getrampt. 1939 noch einmal zu viert nach Frankreich. Zum Teil einzeln getrampt oder zu zweit. Längerer Aufenthalt in Biaritz und den niederen Pyrenäen.
1938 mietete ich noch in einem kleinen Taunusdorf einen Raum an, den wir als Landheim einrichteten und benutzten, bis wir zum Kriegsdienst einrücken mussten.
Aus dem Krieg zurück - und ich mit zwe Beinprothesen versorgt - halfen wir, wie das auch an vielen anderen Orten von älteren Nerothern praktiziert wurde, neue Fähnlein und Orden zu gründen.
Alf Zschiesches Singkreis war der Kristallisationspunkt unserer Nerother Bundesgruppe Wiesbaden. Schon 1955 gab es wieder mehrere Fähnlein und Orden in Wiesbaden. Das war auch der Zeitpunkt, uns auf unseren Altnerotherkreis zurückzuziehen.
Meine Freundschaft mit Alf Zschiesche bestand weiter bis zu dessen Tod 1992. Alf fertigte zu einer Anzahl meiner Lieder Gitarren-Begleitsätze an. Er war für mich Vorbild und gab manch guten Rat für mein Liederschaffen.
Bis 1977 lebten meine Frau und ich von meinem Salär als Verwaltungsbeamter. Seitdem bin ich der Stadtverwaltung ein teurer Pensionär.
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