Tondokumentationen des Wandervogel

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Namen & Werke Liedschöpfer Wilhelm Sell (1910-1998)
Wilhelm Sell (1910-1998) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: talus   
Montag, den 05. Januar 1998 um 10:07 Uhr

Wilhelm SellWilhelm Sell wurde am 28. Februar 1910 in Ottweiler geboren. Bereits mit zwölf Jahren kam er zum 1921 gegründeten Nerother Wandervogel, dem er bis zu seinem Tode treu verbunden blieb. In seinen Jugendjahren begleitete er Karl Oelbermann auf seinen Fahrten. Nach dem Verbot der Bündischen Jugend 1933 durch die Nationalsozialisten wandten sich dann viele Nerothergruppen dem sogenannten 'Wasserwandern' zu, um dem Zugriff der Hitlerjugend zu entgehen.

Auf einer Faltbootfahrt den Rhein hinab, angesichts der mächtigen Dome zu Worms und Speyer, schrieb er 1936 die Melodie eines der bekanntesten Lieder der Jugendbewegung In die Sonne, die Ferne hinaus, dessen Text er selbst aber erst 1949 schrieb.

In diese Zeit fällt auch die Wiedergründung des Nerother Wandervogels. Da das Saarland noch bis 1956 unter französischer Verwaltung stand, übernahm Wilhelm Sell die Bundesführung des NWV Saar e.V.; später war er bis zur endgültigen Rückkehr Karl Oelbermanns (Oelb) aus Afrika im Jahre 1954 Bundesführer des gesamten NWV.

Von 1951 bis 1956 war er maßgeblicher Mitarbeiter und Herausgeber der Bundesschrift der Nerother - dem 'Herold'. Zusammen mit Karl Oelbermann veröffentlichte er 1958 das Liederbuch Horridoh!, welches sich schnell in den Bünden verbreitete. Hier fanden erstmals Sell'sche Neuschöpfungen Aufnahme.

Während der Zeit seines Medizinstudiums entwickelte er seine Leidenschaft für das Bergwandern. Viele Fahrten unternahm er, bis ein schwerer Herzinfarkt ihm diesen Traum nahm. Die Erinnerungen an die Erlebnisse seiner aktiven Wandervogelzeit spiegeln sich in vielen seiner Lieder wieder.

Die Musik und das Klampfespielen waren von jeher ein Lebensinhalt von Wilhelm Sell. So erschien 1964 im Selbstverlag ein Liederbuch mit eigenen Texten und Melodien. Unter dem Titel In die Sonne, die Ferne hinaus finden sich viele bekannte Lieder aus seiner Feder, z.B. Das Lagerfeuer am Hordenzelt, Zwischen hohen Halmen liegend oder Im dunkeln Keller. Sein letztes Werk, das Liederbuch Blicken wir ins Feuer, erschien im Sommer 1997. Dieses hatte er in Gedenken des 100. Geburtstages der Zwillingsbrüder Robert und Karl Oelbermann mit seinem Freund und Altnerother Wolfgang Müller (Tempel) zusammengestellt. Kurz nach Veröffentlichung verstarb Wolfgang Müller unerwartet im Alter von 64 Jahren. Wilhelm Sell hat den Tod des langjährgen Weggefährten und geliebten Freundes nicht verwinden können. Am 5. Januar 1998 folgte er ihm auf die letzte große Fahrt.

Das Foto ist Eigentum des Altnerothers Kurt Heerklotz aus Wiesbaden und wurde uns mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt.

 
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